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RNF-Flugblattaktion in Freudenstadt

 

Vor 70 Jahren, am 16. und 17. April 1945, erlebte die Schwarzwaldstadt Freudenstadt ihre wohl schlimmsten Stunden.

Überbelegt mit Verwundeten, Evakuierten und Flüchtlingen wurde Freudenstadt am 16. April 1945 unerwartet von Truppen der 1. französischen Armee unter General Lattre de Tassugny angegriffen, wobei es durch Bombenabwurf und Artilleriebeschuß zu großflächigen Zerstörungen kam. Da die Hauptwasserleitung durch US-amerikanische Luftangriffe und die wichtigen Feuerwehrwagen durch Artilleriebeschuß zerstört worden waren, konnte sich das Feuer nahezu ungehindert ausbreiten. Haus um Haus fiel den Flammen zum Opfer. (Wie uns ein Zeitzeuge berichtete, versuchte man verzweifelt, mit Gülle zu löschen). Es gab einige Dutzend zivile Opfer; etwa 600 Gebäude, 95 Prozent der gesamten Innenstadt, wurden in der Nacht vom 16. auf den 17. April direkt oder indirekt zerstört und 1.400 Familien wurden obdachlos. Auf Vorwürfe habe die Zivilbevölkerung – laut Berichten von Zeitzeugen – auch die Antwort erhalten, es sei Krieg, Freudenstadt müsse drei Tage brennen. Dies war aber noch nicht alles.

 

Beim Einmarsch der französischen Truppen und in den folgenden Tagen kam es zu teilweise heftigen Übergriffen durch marokkanische Einheiten. Es wurde 3 Tage lang gemordet, geplündert, vergewaltigt und Häuser angezündet.

 

Frauen im Alter von 16 bis 80 Jahren waren Freiwild. Zirka 600 geschändete Frauen meldeten sich zur ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher, denn viele Frauen trauten sich aus Scham nicht, über diese Schändungen zu sprechen. Was für Todesängste und tiefste Demütigungen mussten die Frauen aus Freudenstadt erleben! Väter und Mütter, die sich schützend vor ihre Angehörigen stellten, wurden niedergeschossen; die Schreie gequälter Menschen hallten durch die Nächte. Viele Frauen fanden in der Kirche Schutz.

Als ein Beispiel nennen wir Sofie Hengher. Sie musste in der Nacht vom 22. auf den 23. April durch einen Kopfschuß sterben, weil sie versuchte, ihre Kinder vor den französischen Soldaten zu schützen.

Doch nicht nur die Frauen bekamen die Repressionen der sogenannten „Befreier“ zu spüren. Alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren wurden eingesperrt. Nachts kamen die besoffenen Wachmannschaften von der nahen Weinhandlung und schlugen im Lager Zivilisten und Soldaten blutig.

 

Die jüngere Generation, die diese Zeit nicht miterlebt hat, soll nichts von den Kriegsverbrechen der Alliierten erfahren. Diese Straftaten stehen in keinem deutschen Schulbuch und werden im Geschichtsunterricht verschwiegen. Die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen, auch eine offizielle Entschuldigung gibt es bis heute nicht.

Aus diesem Grund führten der RNF Baden-Württemberg und die Kameradschaft Freudenstadt eine gemeinsame Flugblattaktion in Freudenstadt durch. Unser Flugblatt mit der Überschrift „Befreier morden, plündern und vertreiben nicht“ wurde in die Briefkästen und an die Passanten am großen Freudenstädter Marktplatz verteilt. Natürlich zeigten sich viele – vor allem Jüngere – desinteressiert an einer Information; aber wir stießen auch auf viel Zustimmung und Dank für unsere Aufklärungsaktion und kamen mit einigen Zeitzeugen ins Gespräch.

 

Edda Schmidt, RNF BaWü




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