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Die Frühlingsbräuche beschränken sich nicht auf Ostern, auch wenn Ostern das alte germanische Frühlingsfest ist, lange bevor die Kirche den Tod und die Auferstehung ihres Heilands auf diesen Termin legte.

Die Feste im Jahreslauf wurden immer an mehreren Tagen begangen. Bis zum Jahr 1094 dauerte das Osterfest vier Tage, dann drei – heute sind noch der Ostersonntag und Ostermontag übrig geblieben. Die Donnerstage, benannt nach dem germanischen Gott Donar/Thor, waren ebenso wichtige Feiertage, von denen außer dem Gründonnerstag in der Osterwoche ja auch die beiden inzwischen christlich belegten Feiertage „Fronleichnam“ (die Prozessionen lösten die alten Flurumzüge ab) und „Christi Himmelfahrt“ erhalten sind. Unsere heutigen Namen der Wochentage gehen zurück auf die alten germanischen Götter (Dienstag kommt von Tiu, Mittwoch – englisch Wednesday – von Wodan, Donnerstag von Donar, Freitag von der Göttin Freia. Samstag hat nichts mit dem jüdischen Sabbat zu tun, wie vielfach behauptet, sondern mit Ambet, der Erdgöttin, was dann auch zum Sonn(en)tag und Mon(d)tag passt).

Wenn die Weihnachtszeit mit den Rauhnächten zu Ende ist, wird es bereits Zeit, daran zu denken, die noch im Tiefschlaf befindliche Natur zu erwecken. Besonders in den auf alte Zeit zurückgehenden Faschingsbräuchen herrscht der Kampf zwischen Winter und Sommer in vielerlei Formen vor. Zum Ende wird dann der Winter in Form einer Strohpuppe verbrannt, ertränkt oder ausgetrieben.

Am Sonntag Lätare (3. Sonntag vor Ostern) wird in der Pfalz der „Sommertag“ begangen, an dem der Winter und der Sommer gegeneinander kämpfen. Die Kinder tragen im Umzug die Sommertagsstecken mit, die mit Blumen, bunten Bändern, Brezeln (= Sonnensinnbild), Äpfeln und Eiern (Fruchtbarkeitssinnbilder) geschmückt sind. Beim Heischeumzug wird um Gaben wie Eier, Gebäck, Äpfel u.ä. gebeten. Dieses Heischen bedeutet nicht Betteln, sondern in der Gemeinschaft des Dorfes werden Gaben eingesammelt, die dann auch gemeinsam verzehrt werden. Die Jugend zieht von Haus zu Haus und sagt ihr Sprüchlein auf. Ähnliches finden wir auch beim „Schmackostern“ (von niederdeutsch schmacken = schlagen) in Ost- und Westpreußen, wo mit der Osterrute oder einer Peitsche, die aus 9 Weidenruten gebunden ist, geschlagen wird:

                     „Ostern, Schmackostern,

                     zwei Eier, Stück Speck,

                     gleich lauf ich weg.“

Mit den Gaben wird der Segenswunsch belohnt.

In allen wichtigen Festen im Jahreslauf spielen die Symbole für das Leben - das Feuer als Sinnbild der lebenswichtigen Sonne, die grünen Zweige und meist auch das Wasser eine wichtige Rolle. Umso verständlicher ist es, dass gerade im Frühlingsbrauchtum diese Sinnbilder besonders hervortreten.

Nachdem der Winter also schon verbrannt wurde, schlagen die Flammen des „Funkenfeuers“ am Sonntag nach Ende der Faschingszeit wieder an vielen Orten zum Himmel. Interessant ist, dass wir dann zu Ostern die Feuer nicht nur als Reste heidnischen Brauchtums und in den uralten Feuerrädern finden, sondern auch die Kirche am Oster-(„Kar“)Samstag sich diesen Brauch stellenweise zu eigen machte, was ja nun aus der biblischen Geschichte nicht zu erklären ist. Dieses heilige Feuer ist segenspendend. Die Bauern freuten sich, wenn die Osterräder über ihre Fluren rollten oder beim Scheibenschlagen die Scheiben darüber flogen. Noch heute gehen die Menschen z.B. im Odenwald durch das von dem brennenden Feuerrad herabgefallene Stroh und glauben daran, dass sie damit im Verlauf des Jahres vor Krankheit geschützt sind. Früher glaubte man, dass die Sonne am Ostertag morgens mit drei Sprüngen aufgeht.

Während man sich in der Weihnachtszeit, wenn alles Leben wie erloschen scheint, mit immergrünen Zweigen die Gewissheit ins Zimmer holte, dass doch noch nicht alles tot ist, kann man nun an den ersten grünenden und blühenden Zweigen sehen, dass der Winter wirklich überwunden ist und das neue Leben sich regt, auch wenn vielleicht noch der eine oder andere Schneeschauer und Frost ein letztes Aufbäumen des Winters bedeuten. Auch hier wurde unser altes Empfinden mit der biblischen Geschichte verknüpft: der Einzug des Jesus auf dem Esel in Jerusalem, vor dem Palmblätter gestreut wurden, wurde auf unseren Grünen Sonntag gelegt, der dadurch den heute gebräuchlichen Namen „Palmsonntag“ trägt, obwohl bei uns keine Palmen wachsen. Und so wurden die Sträuße mit den ersten grünen Zweigen, Weidenkätzchen und Haselblüten zum „Palmen“, der in der Kirche gesegnet wird und Haus und Hof vor Schaden bewahren soll, aber auch auf die Felder und die Gräber der Sippenangehörigen getragen wird, was mit dem Eselsritt gar nichts zu tun hat.

Aber das frische Grün wird nicht nur als Schmuck verwendet. Die ersten Kräuter und Gemüse werden gern gegessen, was vor allem in früheren Zeit besonders wichtig war, als man noch nicht das ganze Jahr über Obst und Gemüse zu kaufen bekam, sondern im Winter die Vitamine in der Nahrung vielfach fehlten. In verschiedenen deutschen Gegenden ist es heute noch Brauch, am Gründonnerstag eine Suppe aus Kräutern zu essen oder den ersten Spinat. In der März-Ausgabe der „Deutschen Stimme“ haben wir schon Bekanntschaft gemacht mit den schwäbischen Maultaschen, einer ursprünglich besonders an diesem Tag beliebten Speise.

Der schöne Brauch, Brunnen mit grünen Zweigen und Eiern zu schmücken, verbreitet sich immer mehr. Hier sehen wir die Verbindung von frischem Grün, dem Lebenswasser und den Eiern als Sinnbild der Fruchtbarkeit. Wenn die Mädchen am Ostermorgen vor Sonnenaufgang schweigend das Osterwasser aus einer Quelle holen, erhoffen sie sich dadurch Schönheit und Gesundheit. Dieses Wasser darf aber nicht aus einem stehenden Gewässer kommen, und wenn das Schweigen gebrochen wird, was die Burschen oft durch Schabernack u.ä. zu provozieren versuchen, ist das Wasser wirkungslos.

Und was wäre Ostern ohne das Osterei und den Osterhasen? Beides sind Sinnbilder der Fruchtbarkeit. Das Ei, aus dem alles Leben entsteht, gehörte früher zu den in der Fastenzeit verbotenen Speisen. Deswegen behaupten katholisch geprägte Volkskundler gern, es hätten sich in dieser Fastenzeit die Eier angehäuft und mussten nun verwendet werden, was zu der vielfältigen Art des Verzierens und den Spielen mit dem Osterei führte. Das erklärt aber nicht, wieso die Ostereier früher hauptsächlich rot – der Farbe des Blutes und des Lebens – gefärbt wurden und als Liebesgabe, verziert mit entsprechenden Verslein, verschenkt wurden. Der Osterhase, der die Eier bringt oder gar legt, ist jünger als das Osterei. Es ist bekannt, dass die Hasen sehr fruchtbar sind und im Frühjahr ihre Jungen bekommen – so passen sie gut in diese Zeit des erwachenden Lebens.

Von den Wettspielen mit Ostereiern ist leider nicht mehr viel übrig geblieben. Ist Weihnachten ein Fest der Familie, so war Ostern schon immer das Fest der Gemeinschaft. Heute gibt es nur noch vereinzelt Spiele mit den Eiern wie z.B. das früher aus den verschiedensten Gegenden bekannte Wettspiel, bei dem ein Eierwerfer eine bestimmte Anzahl (oft 101) von in gewissen Abständen niederlegten Eiern auflesen und in einen Korb werfen muß, während ein anderer eine bestimmte Strecke laufen muß. Dieser Wettkampf findet noch alle zwei Jahre in Kiebingen bei Rottenburg (Kreis Tübingen) statt, während in dem Jahr dazwischen im Nachbarort der Pfingstritt der jungen Männer eines bestimmten Jahrgangs durchgeführt wird. Auch bei den Russlanddeutschen in den verschiedenen Siedlungsgebieten der ehemaligen Sowjetunion waren Spiele des Eierlesens u.ä. verbreitet. Diese Wettkämpfe gehen zurück auf die Zeit, als ein Teil der Jungmannschaft auszog, um neues Land zu gewinnen. Da auf diesen Zügen vielfache Gefahren lauerten, die bestanden werden mußten, wurden bei solchen Wettkämpfen die Tüchtigsten dafür ermittelt. Diese Wettkämpfe und Kampfspiele finden wir in der ganzen Frühlingszeit bis zur Sommersonnenwende.

Wenn die Sonne wieder kräftiger scheint, die Natur zu grünen und blühen und die Vögel zu singen beginnen, freuen wir uns, die frische Luft zu genießen. Goethe hat dies in seinem „Osterspaziergang“ im „Faust“ beschrieben – und bis heute hat sich wenig daran geändert.




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