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Der Rottweiler Narrensprung zählt zu den bekanntesten Bräuchen der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Der „Federhannes“ wurde sogar auf einer Briefmarke abgebildet.

1310 wurde in Rottweil erstmals der Begriff Fasnacht erwähnt, das Brauchtum selbst ist aber wesentlich älter.

Rottweil wird als die älteste Stadt Württembergs bezeichnet, weil es als einziger Ort des Landes zur Römerzeit Stadtrecht erhielt. Im Mittelalter wurde es Reichsstadt. Das Stadtbild ist geprägt von den Bürgerhäusern mit schön verzierten Erkern und dem „Schwarzen Turm“.

Die Rottweiler Narren treten nur in ihrer Stadt auf und nehmen an keinen auswärtigen Umzügen teil – ein Beweis für das Alter und die Originalität des Brauches.

Die Fasnet beginnt am 6. Januar mit dem „Abstauben“ der „Narrenkleidle“. Die Ausschussmitglieder der Narrenzunft ziehen in Frack und Zylinder zu den Häusern, in denen die Narren wohnen, um die bereitgelegten Larven (Masken) symbolisch vom Staub zu befreien. Am „Schmotzigen Donnerstag“ findet der Fasnetsmarkt statt, abends werden die Ereignisse der Stadt verspottet. Am Fastnetssonntag findet die Proklamation vor dem Alten Rathaus statt.

Der eigentliche Narrensprung findet am Fasnetsmontag und -dienstag statt. Der Zug zieht vom Schwarzen Tor aus durch die Stadt. Im Umzug gehen nur die traditionellen Figuren: Federhannes (auf dem Umhang und der Hose sind Federn aufgenäht), Gschell und Biß (Weißnarren – der weiße Stoff von Hose und Kittel ist bemalt mit Figuren und Pflanzenornamenten, auf Lederriemen sind große Schellen befestigt, die beim rhythmischen Springen nach dem Rottweiler Narrenmarsch im Takt tönen), Fransenkleidle, Schantle mit Schirm und Gehstock, Rößle, das von zwei Treibern mit lautem Peitschenknallen getrieben wird, und Guller (Hahn), auf dem wie auch auf den Rößle ein Narr reitet. Das älteste Rößle ist der „Alte Schimmel“. Dieser Name lässt darauf schließen, dass es sich ursprünglich um die Figur des Schimmelreiters (= Wodan) handelte, den wir schon im Brauchtum der Weihnachtszeit kennenlernten, ebenso wie den Hahn als Künder des Lichtes.

Nach dem Narrensprung (Umzug) findet in der Stadt das „Aufsagen“ statt: die Narren gehen auf die Rottweiler Bürger zu und lesen aus dem Narrenbuch die Vorkommnisse der Stadt vor, ein Rest alten Rechtsbrauchtums. Es ist eine Ehre, so angesprochen zu werden. Nach dem „Aufsagen“ bekommen die Angesprochenen eine Süßigkeit (Praline).

Nur Rottweiler Bürger dürfen mit besonderer Erlaubnis als Narren am Narrensprung teilnehmen. Auch der Weg, den der Umzug nimmt, ist streng vorgeschrieben. Nachdem 1902 nur noch etwa 20 Narren am Narrensprung teilnahmen, sind es inzwischen über 4000, was dazu führte, dass die Strecke zu kurz wird und zu wenig Zeit für das „Aufsagen“ bleibt. Deswegen plante man, in diesem Jahr den Weg zu verkürzen und nicht die ganze Hauptstraße entlang zu gehen, was zu heftigem Protest der Narren führte, die traditionell „d’ Stadt nab“ – die Hauptstraße hinunter – gehen wollen. Das zeigt, wie sehr man auf die Einhaltung der Tradition achtet!

 

Edda Schmidt, RNF BaWü




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