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Heute wird gern behauptet, der Name der Zeit zwischen Hochneujahr (Dreikönig) und Faschingsdienstag käme von der Nacht vor dem Beginn der Fastenzeit, in der man sich noch mal so richtig ausgetobt habe, eine vorweggenommene Entschädigung für die nachfolgende Zeit der Entsagung. Durch diese Deutung lässt sich aber vieles aus dem Brauchtum der Fasnet nicht erklären. Von Weihnachten wissen wir schon, dass der Wortteil „-nacht“ nicht die Nacht, die Tageszeit der Dunkelheit, bedeutet, sondern dass man früher nicht nach Tagen, sondern Nächten gerechnet hat. So schreibt auch Tacitus über die Germanen: „Sie zählen nicht wie wir nach der Zahl der Tage, sondern der Nächte. Die Nacht geht nach ihrer Auffassung dem Tag voran.“

Für den Ursprung der Fasnetsbräuche gibt es unterschiedliche Theorien. So wird das wilde Treiben auch in Verbindung gebracht mit dem „Wilden Heer“, Wotans Totenheer, das ja schon in den vorangegangenen Rauhnächten durch die Lüfte brauste. In der Volkskunde wird gern davon gesprochen, dass es sich bei vielen Bräuchen wie hier beim Austreiben oder Verbrennen des Winters um den Kampf gegen „böse Dämonen“ handelt. Doch die germanischen Bauern wussten aus ihrer Verbundenheit mit der Natur, dass nach dem ewigen Naturgesetz des Stirb und Werde die Winterstürme, Kälte und Tod in der unfruchtbaren Jahreszeit genauso zum Leben gehörten wie der Sommer mit seiner Fruchtbarkeit. Fremder Glaube, der vielfach das vorgefundene Positive ins Negative verkehrte (aus Luzifer, dem Lichtträger, wurde der Teufel; das Fruchtbarkeit wünschende Schlagen mit der Rute wurde zur Bestrafung u.a.), brachte auch die Furcht vor Geistern und Dämonen, die gebannt werden mussten.

Zu Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet werden am Dreikönigstag „Häs“ (Narrenkostüm) und „Gschell“ (Gurte mit Glocken) „abgestaubt“, in manchen Orten auch Fasnachtsbrezeln (altes Sonnensinnbild) verteilt. Danach wird es wieder ruhiger. Bis zum Höhepunkt der Fasnet vom „schmotzigen“ Donnerstag bis Faschingsdienstag spielen meist nur die Donnerstage eine Rolle. In dieser Zeit finden bereits viele Narrentreffen mit Umzügen statt. Am „schmotzige“, „auselige“ oder „gompige Dunschtig“ ziehen in vielen Orten die Hemdglonker (in langen weißen Nachthemden mit weißen Nachtmützen) früh durch die Straßen und erzeugen mit Glocken, Schellen und alten Topfdeckeln einen großen Lärm. Am Vormittag steht die Schülerbefreiung auf dem Programm. Die Schüler haben bis einschließlich Faschingsdienstag schulfrei. In den Rathäusern wird die Obrigkeit abgesetzt, der Narrenbaum wird aufgestellt. Hierbei handelt es sich immer um eine Tanne oder Fichte. Schon die Germanen schrieben diesem immergrünen Baum eine besondere Lebenskraft zu, er ist – besonders im Winter – das Sinnbild des Lebens. Unter ihm wurde das Narrengericht abgehalten. Dabei wurde alles aufs Tapet gebracht, was sich im vergangenen Jahr ereignet hatte. Früher wurde er auch umtanzt – wie der Tanz zu allen wichtigen Ereignissen der Gemeinschaft gehörte. Das Aufstellen des Narrenbaumes erfolgt zum Teil noch heute nach alter Art mit „Schwalben“ (lange Stangenpaare).

Der Freitag spielt keine Rolle; das Hauptgeschehen findet von Sonntag bis Dienstag statt mit Umzügen und verschiedenen örtlichen Bräuchen, von denen schon in der Deutschen Stimme in den vergangenen Jahren berichtet wurde.

Eine Woche nach dem Faschingssonntag fand die Alte oder Bauernfasnacht statt, die nur den einen Tag dauerte, in evangelischen Gegenden der Schweiz von Aschermittwoch bis zum Funkensonntag, an dem auf den Bergen Feuer brennen und brennende Holzscheiben ins Tal geschleudert werden. In der Region Löffingen (im Hochschwarzwald an der Höllentalbahn) werden die Fasnetsküchle sogar erst an diesem Wochenende gebacken. Besonders bekannt ist die Basler Fasnacht, die am Montag nach Aschermittwoch mit dem „Morgenstreich“ beginnt. Am Nachmittag findet ein großer Umzug statt mit den Cliquen (= Musik- u.a. Gruppen) und den Guggenmusiken (schräg klingende Blasmusik). Am Dienstag gibt es keinen Umzug, aber Faschingstreiben, am Mittwoch ist der zweite große Umzug ein Spiegelbild des ersten vom Montag. Abends bilden die Cliquen mit großen Umzügen das Ende der Fasnacht.

 

 

Edda Schmidt




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