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Wenn man in der Zeitung die standesamtlichen Nachrichten – Geburten – liest, findet man meist nicht einmal einen einzigen deutschen Vornamen, ja selbst eingedeutschte Namen nichtdeutschen Ursprungs wie Hans (von Johannes) oder Jürgen (von Georg) werden kaum noch vergeben. Neben einigen biblischen sind es vielfach Modenamen, deren Klang man schön findet, ohne eine Ahnung zu haben, was er bedeutet. Was aber sind denn nun überhaupt germanisch-deutsche Namen, woher kommen sie und welcher Sinn wohnt ihnen inne?

Edda Schmidt

 

Ursprünglich bestanden die Vornamen meist aus zwei Silben, später kamen dann Kurzformen wie »Hinz und Kunz« (aus Heinrich und Konrad) hinzu. Die Silben hatten eine Bedeutung. Zwar wissen Eltern bei der Geburt ihres Kindes natürlich noch nicht, wie es sich entwickeln wird, aber der Name drückte den Wunsch aus: werde so, wie dein Name es sagt. Um das Leben meistern zu können, mußte man kampfbereit und stark sein und brauchte Fähigkeiten, die man auch von Tieren wie Wolf, Bär, Eber, Adler und Falke kennt. Ein edler, leuchtender Führer der Gemeinschaft, des Volkes zu sein und Besitz und Heimat zu schützen, war erstrebenswert.

Deswegen bezieht sich ein erheblicher Teil der bekannten Silben auf diese Eigenschaften:

Volk: folk/volk, diet (auch für deutsch), liut/leut, her, theod, stehen (bis auf her) fast nur an erster Stelle

Kampf: brand, eg/eck, ger, grim, gund, her, hild, ort, wal, wig

Schutz: berg/birg/burg/borg, gard, gerd, had, heil, helm, mund, war, wern, wart

Stark: arn, bern, hard, is, mein, nor, traut/trud, wolf, ulf

Kühn, mutig: arn/ar, bald/pold, frank (aber auch der Franke), hard, kun/kon, mut, nand,                                                                                                                                               thor

Glänzend, strahlend, hell: bert/brecht, blank, dag, heid/hed

Besitz, Erbe, edel: adal/al, ed/od, odal/odil, ing

Nach der Herkunft: engel (Stamm der Angeln), ing (Ingwäonen), irm (Irminonen) – groß, mächtig wie die Gottheit des Stammes,

nor – aus dem Norden

Weitere Silbenbedeutung: e – Recht, Gesetz, Ordnung, Sitte;

fried – Friede, Schutz, Sicherheit; gild – Opferbereitschaft;

lind – Linde, aber auch Weisheit, Wissen;

os von ans – Ase, Gottheit; regin/rein – Rat;

rich – reich, mächtig; rod/rud – Ruhm;

run – von raunen, meist nur in Frauennamen – Geheimnis, Wissen;

sieg/sig – Sieg; walt – herrschen, gebieten

Dies ist nur eine Auswahl der bekanntesten Silben, die aber schon zeigen, wie vielfältig die Möglichkeit der Kombinationen ist.

Bis ins Mittelalter herrschten diese Namen germanischen Ursprungs trotz des Einzugs des Christentums vor. Selbst viele hohe kirchliche Würdenträger wie Bischöfe und Erzbischöfe hießen nicht nach Heiligen, sondern trugen noch die alten bekannten und beliebten Namen, die in Adelskreisen noch längere Zeit selbstverständlich waren. Dort ist es teilweise bis heute noch üblich, daß bestimmte Vornamen in jeder Generation vergeben werden, z.B. Heinrich (mehrere deutsche Kaiser) oder Friedrich (Preußenkönige). Diese Persönlichkeiten hatten aber auch Vorbildfunktion, so daß ihre Namen gern den eigenen Kindern gegeben wurden. Zum Teil wird bis heute der Name des Vaters oder Großvaters/der Mutter oder Großmutter, der in der Sippe Tradition hat, als Zweitname verwendet.

Viele Vornamen wurden auch zu Familiennamen wie Albrecht, Dietrich, Franz, Friedrich, Günther, Heinrich, Hermann, Kunz, Lorenz, Ludwig, Walter, Werner, Wilhelm u.a. Etliche Ortsnamen – in einigen Gegenden wie z.B. dem niederösterreichischen Waldviertel sogar häufig – gehen ebenfalls auf Vornamen zurück. Sie haben vielfach die Genetiv-Endung –s, was bedeutet, daß derjenige den Ort gegründet hat: Albrechts, Dietrichs, Hörmanns (von Hermann), Groß Siegharts, Guntersdorf, Wielands, aber auch schwäbische –ingen- Namen wie Sigmaringen, die angeblich überhaupt auf den Gründernamen zurückgehen, was ich aber wegen der vielen ersten Silben, die keinerlei Rückschlüsse auf einen Namen zulassen, nicht glauben kann, auch wenn man von alten Kurzformen ausgehen will.

Allmählich wurden die germanischen Vornamen gerade in stark christlich geprägten Ländern durch Heiligennamen verdrängt, die teilweise bis in die jüngere Zeit häufig vorzufinden sind wie in Bayern und Österreich Josef (mit der eingedeutschten Kurzform Sepp). Dazu kamen Namen griechischen (z.B. Alexander = Männer abwehrend, Georg = Landmann, Peter = Fels) oder lateinischen (z.B. Claudia = aus dem Geschlecht der Claudier, Julia = aus dem Geschlecht der Julier, Oliver = Olivenbaumpflanzer) Ursprungs, später englische oder französische.

Beeinflußt wurde die Namensgebung immer auch von den Zeitströmungen oder war vor Einführung der Standesämter abhängig vom Wohlwollen des Pfarrers. Meine eigene Großmutter war ein solches Opfer: sie sollte Irma heißen (germanisch, Kurzform der Irm-namen, Gottheit der Irminonen). Der unwissende Pfarrer behauptete, das sei die ungarische (!) Form von Maria, was nicht zutreffend ist, und taufte sie Maria Aloysia...

Während man sich in den Zeiten der Befreiungskriege und der Romantiker wie auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielfach auf die alten germanisch-deutschen Namen besann, sind sie nach dem Krieg immer mehr verschwunden und durch Modenamen ersetzt worden. Einige Zeit wurden viele Mädchen Petra genannt oder Jungen Alexander. Aber auch regionale Häufigkeiten kann man feststellen: unter den Rußlanddeutschen z.B. heißen viele Alexander, Viktor oder Waldemar; Penny, Peggy und Ronny kommen aus Hollywood und sind vielfach in Mitteldeutschland verwendet worden.

Heutzutage kann man die unmöglichsten Begriffe als Vornamen dem armen Kind, das sein ganzes Leben damit leben muß, zumuten. Nur die allerkrassesten Fälle werden beim Standesamt abgelehnt – aber auch wenig geläufige germanischen Ursprungs, wie sie in dem Namensbuch von Birka Vibeke »Deutsche Vornamen« (vergriffen) durch ungebräuchliche Zusammensetzungen der alten Silben vorgeschlagen werden. Eine Kameradin aus Leipzig mußte einen Sprachsachverständigen der Universität (was nicht billig war) bemühen, um sich beim Standesamt durchzusetzen.

Viele Namen, die deutsch klingen, haben nichtdeutschen Ursprung und wurden einfach angepaßt. So kommt z.B. Jürgen vom griechischen Georg, Hans, Jens und Jan vom hebräischen Johann/Johannes (d. Täufers = Gott ist gnädig), Else und Liese von Elisabeth (hebräisch = Gott ist die Zuchtrute, weil Mädchen nicht willkommen waren).

Vielfach ist es aber auch einfach Unkenntnis, daß die Namen – auch die fremder Herkunft - eine Bedeutung haben oder wer die Namensträger waren. Der bekannte Schriftsteller Erich Glagau hat in seinem Büchlein »Müssen Kinder so heißen? Warum biblische Namen zu deutschen Kindern nicht passen« einige dieser Namen bzw. deren erste Träger erklärt: Lea, David, Esther, Sarah, Judith, Lukas, Debora, Daniel, Noah, Jona/Jonathan, Elias, Rebecca, Benjamin, Jakob.

Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, dem seien für die Auswahl eines geeigneten Namens folgende Schriften empfohlen:

Eckartschrift Nr. 81: Heinz Wamser, »Unsere deutschen Vornamen« (vergriffen)

Ralf Küttelwesch, »Nordisch-Germanische Vornamen, Herkunft, Bedeutung und berühmte

       Namensträger«. Über 4500 Namen, factum coloniae Mittenwalde, 145 S.

Gerhild & Petra Müller, »Unsere Namen«, Kinderland-Verlag, 270 S.

Wir haben also so viele Möglichkeiten, unseren Kindern schöne und sinnvolle deutsche Namen zu geben, daß wir wirklich auf die fremden und verrückten Modenamen verzichten können und damit den Fortbestand auch unserer schönen deutschen Sprache unterstützen.

                    

                                                                                                      

 

Dieser Artikel wurde zuerst in der DS 7/17 veröffentlicht.




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